Verspätungszuschläge, Zinsen & Strafen des Finanzamts (AEAT) in Spanien

Verspätungszuschläge, Zinsen & Strafen des Finanzamts (AEAT) in Spanien

Wer in Spanien eine Steuererklärung zu spät abgibt oder eine fällige Steuerzahlung versäumt, muss mit Verspätungszuschlägen (recargos), Verzugszinsen und gegebenenfalls Sanktionen rechnen. Dieser Guide erklärt klar und praxisnah: Wie hoch die Zuschläge sind, wann sie anfallen, auf welcher Basis sie berechnet werden, wie sich Zuschläge kombinieren können – und welche Rabatte möglich sind.

1. Verspätete Abgabe ohne Aufforderung (Art. 27 LGT)

Reichen Sie eine Selbstveranlagung (autoliquidación) mit Zahllast nach Fristende, aber ohne vorherige Aufforderung der Steuerverwaltung ein, gilt grundsätzlich:

  • 1 % Grundzuschlag + 1 Prozentpunkt je vollem Monat der Verspätung. Nach Ablauf von zwölf Monaten gilt stattdessen der nachstehende Zuschlag von 15 %.
  • Ab Monat 13: pauschal 15 % Zuschlag und zusätzlich Verzugszinsen (auf die Steuerschuld) ab dem Tag nach Ablauf der 12 Monate bis zur Abgabe.
  • Für die auf diese Weise nacherklärte Zahllast fällt keine Geldbuße wegen der verspäteten Erklärung an. Bei einer Nachreichung innerhalb von zwölf Monaten werden bis zur Abgabe keine Verzugszinsen erhoben. Andere Pflichtverstöße und eine anschließend ausbleibende Zahlung sind gesondert zu beurteilen.

25 % Rabatt auf den Art.-27-Zuschlag ist möglich, wenn die gesetzlichen Zahlungsbedingungen eingehalten werden (sofortige Zahlung bzw. fristgerechte Zahlung nach Bescheid oder bewilligter, besicherter Zahlungsaufschub).

Wichtig: Eine vorherige Aufforderung ist nicht nur ein ausdrücklich so bezeichnetes Schreiben. Entscheidend kann auch eine dem Steuerpflichtigen förmlich bekannt gegebene behördliche Maßnahme zur Prüfung oder Festsetzung der betreffenden Steuerschuld sein. Elektronische Zustellungen sind ebenfalls zu beachten.

2. Verspätete Zahlung und Vollstreckung (Art. 28 LGT)

Wird eine erklärte oder festgesetzte Steuer nicht innerhalb der maßgeblichen Zahlungsfrist gezahlt, beginnt grundsätzlich das período ejecutivo (Vollstreckungszeitraum). Bei einer verspätet eingereichten Selbstveranlagung ohne Zahlung beginnt dieser grundsätzlich am Tag nach der Einreichung. Ein rechtzeitig gestellter, zulässiger Antrag auf Stundung, Ratenzahlung oder Verrechnung kann den Beginn verhindern. Die Zuschläge werden auf die im freiwilligen Zahlungszeitraum nicht entrichtete Schuld berechnet:

  • 5 % recargo ejecutivo: vollständige Zahlung der offenen Hauptschuld vor Zustellung der Vollstreckungsanordnung.
  • 10 % recargo de apremio reducido: Zahlung nach Zustellung, aber innerhalb der im Bescheid genannten Frist (inkl. Zahlung dieses Zuschlags).
  • 20 % recargo de apremio ordinario: wenn auch dann nicht gezahlt wird. Dieser Zuschlag ist mit Verzugszinsen kombinierbar; zusätzlich können Vollstreckungskosten anfallen.

Die Zuschläge von 5 %, 10 % und 20 % werden nicht miteinander addiert. Bei Anwendung des 5-%- oder 10-%-Zuschlags werden keine Verzugszinsen für den Vollstreckungszeitraum erhoben. Bereits für andere Zeiträume angefallene Zinsen können bestehen bleiben.

3. Kombination beider Zuschläge (Abgabe + Zahlung)

Eine verspätete Abgabe und eine verspätete Zahlung sind getrennt zu prüfen. Entscheidend ist insbesondere, ob bei der Nachreichung gezahlt oder ein zulässiger Zahlungsantrag gestellt wird. Unter bestimmten Voraussetzungen können beide Zuschläge kombiniert werden:

  • Freiwillige Nachmeldung & sofortige Zahlung → nur Art. 27 (1–15 %, Rabatt möglich).
  • Freiwillige Nachmeldung, aber keine Zahlung und kein den Vollstreckungsbeginn verhindernder Antrag → Art. 27 und Art. 28 (5–20 % + gegebenenfalls Zinsen und Kosten).
  • Abgabe erst nach einer einschlägigen behördlichen Aufforderung → grundsätzlich kein Art.-27-Zuschlag; stattdessen können Verzugszinsen und eine Geldbuße anfallen. Art. 28 kommt zusätzlich erst in Betracht, wenn auch die maßgebliche Zahlungsfrist versäumt wird.

Merke: Je früher Sie selbstständig handeln und zahlen, desto günstiger. Warten auf ein Schreiben verteuert die Sache.

4. Verzugszinsen (Art. 26 LGT)

Verzugszinsen sind eine Nebenleistung zur Steuer. Sie fallen u. a. an bei verspäteter Zahlung, bei verspäteter Abgabe ab dem 13. Monat oder bei Rückzahlung unrechtmäßig erhaltener Erstattungen. Der Zinssatz entspricht grundsätzlich dem gesetzlichen Zinssatz des Geldes, erhöht um 25 %, sofern das Haushaltsgesetz keinen abweichenden Satz bestimmt; bei vollständig besicherten Stundungen (Bankbürgschaft / Versicherung) gilt der gesetzliche Zinssatz.

5. Sanktionen (sanciones) bei Pflichtverstößen

Die Steuerverwaltung kann Sanktionen verhängen, wenn ein gesetzlich bestimmter Pflichtverstoß und schuldhaftes Verhalten vorliegen. Die in Abschnitt 1 erläuterte Sanktionsfreiheit nach Art. 27 ist dabei zu beachten; Zinsen und Vollstreckungszuschläge können dagegen neben einer Sanktion anfallen. Wichtige Kategorien:

  • Materielle Verstöße (z. B. nicht erklärte oder zu niedrig erklärte Zahllast bei Autoliquidationen): Leicht (i. d. R. 50 % des nicht entrichteten Steuerbetrags), schwer (50–100 %), sehr schwer (100–150 %), mit gesetzlich definierten Erhöhungen/Abstufungen.
  • Formelle Verstöße (siehe Abschnitt „Informative Meldungen“): feste oder proportionale Geldbußen, typischerweise zusätzlich zu Zinsen und ggf. zu Vollstreckungszuschlägen.

6. Formelle Informationspflichten (informativas)

Auch eine verspätete Steuererklärung mit Nullergebnis oder Erstattungsanspruch kann eine Geldbuße auslösen. Für gewöhnliche Erklärungen ohne wirtschaftlichen Schaden sieht Art. 198 LGT grundsätzlich 200 € vor; bei freiwilliger verspäteter Einreichung ohne vorherige Aufforderung grundsätzlich die Hälfte, also 100 €. Weitere gesetzliche Ermäßigungen können möglich sein. Das ist kein prozentualer Verspätungszuschlag.

Informationsmeldungen ohne Zahlungsverpflichtung (z. B. Modelo 347, 349, 390, 232) sind bei Vorliegen der jeweiligen Voraussetzungen dennoch verpflichtend. Für verspätete oder unterlassene Erklärungen und für fehlerhafte Angaben gelten unterschiedliche Bußgeldtatbestände. Insbesondere:

  • Verspätete oder unterlassene allgemeine Informationsmeldungen nach Art. 198 LGT: grundsätzlich 20 € je Datensatz oder Datensatzgruppe zu einer Person/Einheit, mindestens 300 € und höchstens 20.000 €. Bei freiwilliger verspäteter Einreichung ohne vorherige Aufforderung werden Betrag und Grenzen grundsätzlich halbiert: 10 €, mindestens 150 €, höchstens 10.000 €.
  • Unvollständige, unrichtige oder falsche Angaben: Hier gelten insbesondere die gesonderten Regeln des Art. 199 LGT. Je nach Meldung und Art der Daten kommen feste oder prozentuale Geldbußen mit eigenen Mindestbeträgen in Betracht. Die vorstehenden 20 € gelten deshalb nicht pauschal auch für jeden fehlerhaften Datensatz.

Die konkrete Einordnung muss für das jeweilige Formular und den jeweiligen Verstoß geprüft werden. Die genannten Beträge lassen sich nicht unterschiedslos auf sämtliche Meldungen übertragen.

Wichtig: Auch ohne Zahllast sind Versäumnisse bußgeldbewährt. Korrekte und fristgerechte Meldungen vermeiden unnötige Kosten.

7. Rabatte & Reduktionen

  • Art.-27-Zuschlag: 25 % Rabatt, wenn die strengen Zahlungsbedingungen eingehalten werden.
  • Sanktionen nach Art. 191–197 LGT: 30 % Ermäßigung bei Conformidad. Zusätzlich können 40 % des verbleibenden Betrags erlassen werden, wenn insbesondere die Zahlungsbedingungen eingehalten und weder die zugrunde liegende Steuerfestsetzung noch die Sanktion angefochten werden. Zusammen ergibt das eine Ermäßigung von 58 %, nicht 70 %: Aus 1.000 € werden zunächst 700 € und anschließend 420 €.
  • Acta con acuerdo: Hier gilt unter den besonderen gesetzlichen Voraussetzungen eine Ermäßigung von 65 %. Die zusätzliche 40-%-Ermäßigung ist in diesem Fall ausgeschlossen. Eine Kombination zu etwa 85 % ist daher nicht zulässig.
  • Formelle Geldbußen: Die 40-%-Ermäßigung kann ebenfalls anwendbar sein; die 30-%-Ermäßigung wegen Conformidad gilt dagegen nicht allgemein für diese Verstöße.

8. Praxisbeispiele

Beispiel A: Modelo 100 nach fünf vollen Monaten Verspätung freiwillig abgegeben, sofort bezahlt

Zuschlag Art. 27: 1 % + 5 % = 6 %. Mit 25 % Rabatt: 4,5 %. Keine Vollstreckungszuschläge.

Beispiel B: Modelo 100 nach fünf vollen Monaten freiwillig abgegeben, Zahlung erst nach Vollstreckungsanordnung

Angenommen, es wurde bei Einreichung weder gezahlt noch ein den Vollstreckungsbeginn verhindernder Antrag gestellt. Bei 10.000 € Steuerschuld beträgt der Art.-27-Zuschlag 600 €. Werden nach Zustellung der Vollstreckungsanordnung die Hauptschuld und der 10-%-Vollstreckungszuschlag vollständig innerhalb der hierfür geltenden Frist bezahlt, kommen 1.000 € hinzu. Insgesamt sind das 1.600 € Zuschläge, ohne Ermäßigung des Art.-27-Zuschlags. Für den Vollstreckungszeitraum fallen bei diesem 10-%-Zuschlag keine Verzugszinsen an. Die Zuschläge werden gesondert festgesetzt; gegebenenfalls anfallende Kosten sind zusätzlich zu prüfen.

Beispiel C: Fristgerechte Abgabe, aber verspätete Zahlung

Kein Art.-27-Zuschlag, aber Art. 28: 5 % / 10 % / 20 % je nach Zeitpunkt und Vollständigkeit der Zahlung. Zinsen für den Vollstreckungszeitraum fallen beim 20-%-Zuschlag an, nicht beim 5-%- oder 10-%-Zuschlag.

9. Überblickstabelle

Kostenfolgen je Szenario
Situation Zuschlag Abgabe
(Art. 27)
Zuschlag Zahlung
(Art. 28)
Verzugszinsen Hinweise
Fristgerechte Abgabe & Zahlung – – – Keine Kosten.
Freiwillige verspätete Abgabe ohne Aufforderung, sofortige Zahlung 1 % + 1 Prozentpunkt je vollem Monat; nach zwölf Monaten pauschal 15 % – Ab Monat 13 25 % Rabatt möglich; keine Strafe.
Freiwillige verspätete Abgabe & anschließender Vollstreckungsbeginn 1–15 % 5–20 % Für den Vollstreckungszeitraum nur beim 20-%-Zuschlag; gegebenenfalls zusätzlich Zinsen nach Art. 27 nach zwölf Monaten Kombination beider Zuschläge möglich.
Nur verspätete Zahlung (Abgabe fristgerecht) – 5–20 % Für den Vollstreckungszeitraum nur beim 20-%-Zuschlag Zinsen möglich; Kosten der Vollstreckung möglich.
Formelle Verstöße (informativas) – – – Abhängig von Meldung und Verstoß: Art. 198 und 199 LGT unterscheiden. Bei freiwilliger Nachreichung können die Beträge nach Art. 198 halbiert werden.

10. Häufige Fragen (FAQ)

Werden Zuschläge für Abgabe und Zahlung gleichzeitig fällig?

Eine Kombination ist möglich, wenn eine freiwillige verspätete Erklärung mit Zahllast eingereicht wird und anschließend der Vollstreckungszeitraum beginnt. Wird bei der Nachreichung sofort gezahlt oder dessen Beginn durch einen zulässigen Antrag verhindert, entsteht dadurch kein Art.-28-Zuschlag.

Kann ich die Zuschläge oder Zinsen steuerlich absetzen?

Geldbußen sowie Zuschläge nach Art. 27 und 28 LGT sind grundsätzlich nicht als Betriebsausgaben abzugsfähig. Steuerliche Verzugszinsen sind davon zu unterscheiden: Sie können bei Gesellschaften unter den gesetzlichen Voraussetzungen und Grenzen als Finanzaufwand abzugsfähig sein. Auch bei einer wirtschaftlichen Tätigkeit im Rahmen der IRPF kann ein Abzug in Betracht kommen. Für rein private Steuerschulden besteht dagegen kein allgemeiner Betriebsausgabenabzug. Maßgeblich sind Steuerart, betrieblicher Zusammenhang und zeitliche Zuordnung.

Gibt es eine „Schonfrist“ ohne Zinsen?

Ja: Beim Zuschlag nach Art. 27 fallen bis einschließlich Monat 12 keine Zinsen an. Ab Monat 13 werden Zinsen fällig. Im Vollstreckungszeitraum (Art. 28) entstehen Zinsen; beim 5 % und 10 % Zuschlag entfallen Zinsen ab Beginn des Vollstreckungszeitraums, beim 20 % Zuschlag fallen sie an.

Wie sichere ich mir den 25 % Rabatt auf den Art.-27-Zuschlag?

Bei einer verspäteten Selbstveranlagung ist grundsätzlich die gesamte Steuerschuld bereits bei Einreichung zu bezahlen. Der um 25 % ermäßigte Zuschlag ist innerhalb der mit seinem Bescheid eröffneten Zahlungsfrist zu entrichten. Für Erklärungen mit anschließender behördlicher Festsetzung sowie für bewilligte Stundungen und Ratenzahlungen gelten besondere Voraussetzungen. Ein Zahlungsantrag allein garantiert die Ermäßigung nicht; auch die Anforderungen an Sicherheiten und die Einhaltung der bewilligten Termine sind zu prüfen.

Was kostet eine verspätete informativa ohne Zahllast?

Das hängt von Formular und Verstoß ab. Bei allgemeinen Informationsmeldungen nach Art. 198 LGT gelten grundsätzlich 20 € je Datensatz beziehungsweise Datensatzgruppe, mindestens 300 € und höchstens 20.000 €. Bei freiwilliger verspäteter Nachreichung ohne Aufforderung halbieren sich diese Beträge grundsätzlich. Für fehlerhafte Angaben gelten andere Regeln. Eine gewöhnliche Steuererklärung mit Nullergebnis ist außerdem von einer Informationsmeldung zu unterscheiden.

Jetzt handeln: Risiko minimieren & Kosten sparen

Je schneller Sie reagieren, desto geringer fallen Zuschläge, Zinsen und Bußgelder aus. PEHOMA Consult unterstützt Sie bei Nachmeldungen, Zahlungsplänen und der rechtssicheren Kommunikation mit der AEAT.

Unverbindliche Erstberatung anfragen

Rechtsstand: 28. Oktober 2026. Die Darstellung betrifft die allgemeinen Regeln der LGT. Besondere Vorschriften einzelner Steuern und der Foralgebiete sind gesondert zu prüfen.

Rechtsgrundlagen: Ley General Tributaria, insbesondere Art. 26–28, 161, 179, 188 und 191–199; AEAT: Vollstreckungszuschläge; DGT: Abzugsfähigkeit steuerlicher Verzugszinsen bei Gesellschaften; AEAT: Finanzaufwand bei wirtschaftlichen Tätigkeiten.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Rechts- und Steuerberatung. Änderungen der Rechtslage vorbehalten.

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